Körperverletzung – § 224 StGB

§ 224 StGB – Gefährliche Körperverletzung

§ 224 StGB stellt eine Qualifikation zur Körperverletzung dar. Um den Straftatbestand des § 224 StGB zu erfüllen muss vorerst der Grundtatbestand nach § 223 StGB einschlägig sein. Zusätzlich muss das spezifische Tatbestandsmerkmal der Qualifikation erfüllt werden, welches bei § 224 StGB in 5 verschiedenen Handlungsvarianten verwirklicht werden kann. Die Tathandlungsvarianten sind wie folgt: 

  • durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen 
  • mittels einer Waffe oder anderen gefährlichen Werkzeugs 
  • mittels eines hinterlistigen Überfalls 
  • mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich 
  • mittels einer dem Leben gefährdenden Behandlung 

 

Tathandlungsvarianten

Gefährliche Körperverletzung durch die Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen 

Die Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen zählt mitunter zu einen der mit gefährlichsten Begehungsweisen. Gift meint hierbei jeden organischen und anorganischen Stoff, der die Gesundheit durch chemische oder chemisch-physikalische Wirkung beeinträchtigt. Hierzu zählt zum Beispiel Salzsäure oder Opium. Zu den anderen gesundheitsschädlichen Stoffen zählt unter anderen bereits Kochsalz. Das Beibringen meint hierbei die Möglichkeit, dass das Gift oder der andere gefährliche Stoff so mit dem Körper in Verbindung gebracht wird, dass sich dadurch die gefährliche Wirkung entfalten kann. 

Mittels einer Waffe oder anderen gefährlichen Werkzeugs 

Des Weiteren kann die gefährliche Körperverletzung mit einer Waffe oder anderen gefährlichen Werkzeug verwirklicht werden. Waffen sind hierbei alle Gegenstände, die dazu bestimmt sind gefährliche Verletzungen beim Menschen zu verursachen. Das gefährliche Werkzeug ist hingegen ein Gegenstand, der nach seiner Art und konkreten Verwendung im Einzelfall dazu geeignet ist erhebliche Verletzungen herbeizuführen. Umstritten ist hierbei vor allem ob unbewegliche Gegenstände auch ein gefährliches Werkzeug darstellen können, womit sich ein weiter Auslegungsspielraum ergibt. 

Mittels eines hinterlistigen Überfalls 

§ 224 StGB umfasst auch die Körperverletzung mittels eines hinterlistigen Überfalls. Ein Überfall ist jeder plötzliche unerwartete Angriff auf einen Ahnungslosen. Das Ausnutzen eines Überraschungsmoments genügt allerdings nicht, viel mehr ist erforderlich, dass der Überfall hinterlistig ist. Hinterlistig meint hierbei, dass der Täter planmäßig vorgeht, indem er seine wahren Absichten verschleiert und dadurch dem Opfer in seinen Abwehrmöglichkeiten hemmt. 

Mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich 

Die gefährliche Körperverletzung kann auch gemeinschaftlich begangen werden. Hierfür müssen mindestens 2 Personen am Tatort zusammen wirken. 

Mittels einer dem Leben gefährdenden Behandlung 

Regelmäßig einschlägig ist die 5. Tathandlungsvariante der gefährlichen Körperverletzung, die Leben gefährdende Behandlung. Hierfür ist es lediglich erforderlich, dass die Verletzungshandlung generell geeignet ist das Leben des Opfers zu gefährden. Gerade eine dem Leben gefährdende Behandlung ist weit zu verstehen. 

 

Strafrechtliche Folgen

Die strafrechtlichen Folgen sind bei der Grunddelikts Verwirklichung bereits hoch, dementsprechend hoch sind sie es vor allem beim Qualifikationstatbestand. Sobald eine der 5 Handlungsvarianten verwirklicht wird ist mit einer Freiheitsstrafe von mindestens 6 Monaten bis zu 10 Jahren zu rechnen. Sollte ein minder schwerer Fall vorliegen, so ist die Haftstrafe von drei Monaten bis zu 5 Jahren. Der Versuch ist bereits strafbar. Auch drohen hier wie beim Grundtatbestand soziale Folgen, durch einen Eintrag in das polizeiliche Führungszeugnis. Aber auch zivilrechtliche Folgen sind nicht unüblich, oftmals werden Schmerzensgeld Ansprüche geltend gemacht. 

 

Wie Sie vorgehen sollten 

Da bereits der Grundtatbestand der Körperverletzung ein hohes Strafmaß hat, sollten Sie dringlichst einen erfahrenen Strafverteidiger kontaktieren. Dieser wird Akteneinsicht beantragen und eine Strategie mit Ihnen entwickeln, um die Strafe weitestgehend abzumildern oder sogar eine Verfahrenseinstellung zu erreichen. Bedenken Sie, dass auch eine Geldstrafe mehrere Netto-Monatsgehälter bedeuten kann und das auch diese bei entsprechender Höhe in das polizeiliche Führungszeugnis eingetragen wird. Wenden Sie sich an einen versierten Rechtsanwalt, der Ihnen die Möglichkeiten aufzeigt und Sie bestmöglich verteidigt, vor und im Gerichtsverfahren.