Freiheitsberaubung

Sie haben jemanden an einem Stuhl gefesselt und nun wird gegen Sie wegen Freiheitsberaubung ermittelt? Vielen ist unbewusst, dass die Freiheitsberaubung in verschiedensten Formen begangen werden kann. Hierbei erfüllt nicht ausschließlich das Einsperren und -schließen den Tatbestand, sondern bereits das Fesseln an einem Stuhl kann strafrechtliche Konsequenzen haben.

 

Strafvorwurf 

Eine Freiheitsberaubung gem. § 239 Abs. 1 StGB begeht, wer einen anderen Menschen einsperrt oder in anderer Weise der Freiheit beraubt. Geschütztes Rechtsgut des § 239 StGB ist die Fortbewegungsfreiheit. Fortbewegungsfreiheit meint die Freiheit sich frei zu entschließen einen Ort zu verlassen und dies auch tatsächlich zutun. Geschützt wird folglich die Freiheit zur Ortsveränderung. Bereits eine kurzzeitige Entziehung der Fortbewegungsfreiheit erfüllt den Tatbestand der Freiheitsberaubung nach § 239 StGB. Eingeschränkt wird die Fortbewegungsfreiheit durch einsperren, sowie auf andere Weise. Ein Einsperren ist dann gegeben, wenn eine Person in einem umschlossenen Raum durch äußere Vorkehrungen festgehalten wird. Auf andere Weise wird der Freiheit beraubt, sobald die Möglichkeit zur freien Fortbewegung nicht mehr besteht. Zu beachten ist hierbei, dass die Fortbewegungsfreiheit ebenfalls durch Drohung oder Gewalt eingeschränkt werden kann. Jedoch muss das angedrohte Übel mit dem Grad einer gegenwärtigen Gefahr für Leib oder Leben vergleichbar sein. Folglich genügt nicht jede Drohung um den Tatbestand der Freiheitsberaubung in sonstiger Weise zu erfüllen. (MEHR) 

Weitere Voraussetzung zur Erfüllung des Tatbestands der Freiheitsberaubung ist neben der tatsächlichen Einschränkung der Fortbewegungsfreiheit, die Fähigkeit der Willensbildung. Die in der Bewegungsfreiheit beraubte Person muss in der Lage sein, einen natürlichen Willen zur Ortsveränderung bilden zu können. 

Wenn die Fortbewegungsfreiheit vollständig eingeschränkt beziehungsweise aufgehoben ist, ist die Freiheitsberaubung wenn mit bedingtem Vorsatz gehandelt wurde erfüllt. 

Neben der Freiheitsberaubung nach § 239 Abs. 1 StGB können zudem weitere schwerwiegendere Qualifikationstatbestände nach § 239 Abs. 3 StGB erfüllt werden, sodass sich die Strafe in der Folge erhöht. Besonders schwerwiegend ist die Freiheitsberaubung, wenn sie länger als eine Woche andauert. Zudem erhöht sich das Strafmaß, wenn durch die Freiheitsberaubung oder eine Handlung während der Tat eine schwere Gesundheitsschädigung bewirkt wird. Eine schwere Gesundheitsschädigung ist dann gegeben, wenn das Opfer langandauernde, schwerwiegende gesundheitliche Folgen erleidet. Im Vergleich zu der Freiheitsberaubung an sich, ist es allerdings bei der Gesundheitsschädigung ausreichend, wenn diese fahrlässig herbei geführt wird. Vorsätzliches Handeln ist demnach zur in Bezug auf die Freiheitsberaubung notwendig, nicht jedoch bezüglich der Folgen einer Freiheitsberaubung beziehungsweise während der Freiheitsberaubung ausgelöste Gesundheitsschädigungen.  

Nach § 239 Abs. 4 StGB macht sich der Täter strafbar, wenn die der Freiheit beraubte Person wegen oder im Rahmen der Freiheitsberaubung stirbt. Wie bei der schweren Gesundheitsschädigung ist Fahrlässigkeit ausreichend. 

Strafbar ist bereits die versuchte Freiheitsberaubung gem. § 239 Abs. 2 StGB. 

 

Strafrechtliche Folgen 

Die strafrechtlichen Folgen sind unterschiedlich. Wird der Grundtatbestand der Freiheitsberaubung nach § 239 Abs. 1 StGB erfüllt droht eine Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder eine Geldstrafe. Sobald allerdings eine Qualifikation hinzutritt erhöht sich das Strafmaß. Es droht gem. § 239 Abs. 3 StGB bis zu 10 Jahre Haft, wenn durch die Freiheitsberaubung oder im Rahmen der Freiheitsberaubung eine schwere Gesundheitsschädigung des Opfers bewirkt wird oder die Freiheitsberaubung länger als 1 Woche anhält. Wird durch die Tat der Tod verursacht beträgt die Freiheitsstrafe mindestens 3 Jahre. Zu bedenken ist hierbei, dass das Gesetz war von einer Mindeststrafe spricht, jedoch keinen maximalen Strafrahmen festsetzt. Folglich droht eine Höchststrafe von bis zu 15 Jahren Haft. 

 

Wie Sie vorgehen sollten 

Sollte gegen Sie wegen Freiheitsberaubung ermittelt werden, dann sollten Sie von Ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen. Schweigen Sie! Kontaktieren Sie einen erfahrenen Rechtsanwalt. Gerade beim Vorwurf der Freiheitsberaubung in sonstiger Weise ist es von erheblicher Bedeutung zu prüfen, ob eventuell ein Einverständnis des Opfers vorlag. Sowie im Falle eine Drohung, ob die Drohung überhaupt geeignet war. Durch den sofortigen Kontakt zu einem versierten Strafverteidiger laufen Sie nicht Gefahr, spätere Verteidigungsstrategien zunichte zu machen. Kontaktieren Sie uns!