Mord und Totschlag – §§ 211, 212 StGB

Strafvorwurf 

Unterschied Mord und Totschlag 

Der Mehrheit der Bevölkerung ist nicht bewusst, dass es einen Unterschied zwischen Mord und Totschlag gibt und vor allem wo dieser liegt. Nach überwiegender Ansicht wird im Volksmund gesagt, dass der Mord etwas geplantes sei und der Totschlag etwas ungeplantes, aus dem Affekt. Das ist grundlegend falsch. Beide Taten setzen eine vorsätzliche Handlung voraus, anderenfalls besteht die Möglichkeit einer Strafahndung gemäß § 222 StGB. Richtigerweise liegt der Unterschied zwischen Mord und Totschlag bei dem Vorliegen der Mordmerkmale. Ein weiterer Unterschied liegt bei der Verjährung. Während der Totschlag nach 20 Jahren verjährt, verjährt der Mord nicht. 

Mord – § 211 StGB 

Nach § 211 StGB macht sich strafbar, wer einen Menschen vorsätzlich tötet und zudem eines der in § 211 Abs. 2 StGB genannten Mordmerkmale erfüllt. Die Mordmerkmale lassen sich in drei Gruppen unterteilen.

Die erste Gruppe beschreibt das Motiv des Täters. Strafbar macht sich hiernach wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst niedrigen Beweggründen handelt. Aus Mordlust handelt, wer Freude an der Vernichtung eines Menschenlebens hat. Zur Befriedigung des Geschlechtstriebs handelt, wer sich Befriedigung durch die Tötung verspricht oder sich an der Leiche befriedigen möchte. Die Habgier ist verwirklicht, sobald aus rücksichtslosem Gewinnstreben gehandelt wird. Zu beachten ist, dass die niedrigen Beweggründe regelmäßig erfüllt sind, wenn die anderen Mordmerkmale nicht einschlägig sind.

Die zweite Gruppe der Mordmerkmale umschreibt die Tatausführung. Strafbar handelt, wer heimtückisch, grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln handelt. Das Mordmerkmal heimtückisch ist grundsätzlich dann erfüllt, wenn das Opfer nicht mit einem Angriff rechnet und demnach Arg- und Wehrlos ist. Grausam ist der Mord, wenn dem Opfer in gefühlloser und unbarmherziger Weise besondere Qualen oder physische / psychische Schmerzen zugefügt werden. Das letzte Mordmerkmal, welches die Tatausführung beschreibt, sind die gemeingefährlichen Mittel. Mit diesen handelt der Täter wenn er in der konkreten Tatsituation eine unbestimmte Zahl von Menschen an Leib und Leben gefährdet und er zudem die Wirkungsweise nicht kontrollieren kann. 

Nach der dritten Gruppe wird die deliktische Zielführung unter Strafe gestellt. Strafbar handelt demnach wer einen anderen Menschen tötet um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken.

Demnach macht sich nach § 211 StGB strafbar, wer einen Mensch getötet hat und zudem mindestens ein Mordmerkmal verwirklicht hat. 

Totschlag – § 212 StGB 

Nach § 212 StGB macht sich strafbar wer einen Menschen vorsätzlich tötet. Vorsatz im Sinne des § 212, sowie des § 211 StGB, ist das Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung

Versuch 

Sowohl der Versuch des Mordes, als auch der Versuch des Totschlages ist gemäß § 23 Abs. 1 StGB strafbar. Eine Straftat versucht, wer gemäß § 22 StGB nach seiner Vorstellung zur Tat unmittelbar ansetzt. Entscheidend ist im Rahmen der Tötungsdelikte, dass das Opfer die Tat überlebt. Zudem ist relevant, ob ein fehlgeschlagener Versuch oder ein Wahndelikt vorliegt und ob der Täter strafbefreiend zurückgetreten ist. 

Fahrlässige Tötung – § 222 StGB 

Tötet der Täter einen Menschen und handelt dabei ohne Vorsatz, so ist das Verbrechen nicht nach § 211 oder § 212 StGB strafbar. In Betracht kommt die fahrlässige Tötung im Sinne des § 222 StGB. Der Erfolg des § 222 StGB ist der Tot eines Menschen. Dieser muss fahrlässig herbeigeführt werden. Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt pflichtwidrig außer Acht lässt, obwohl der Tatbestandserfolg vorhersehbar war. 

 

Strafrechtliche Folgen 

Die strafrechtlichen Folgen eines Tötungsdelikts sind nicht zu unterschätzen. Bei einem verwirklichten Mord nach § 211 StGB ist eine lebenslange Haftstrafe vorgesehen. Nach § 212 StGB ist die Freiheitsstrafe nicht unter 5 Jahren. Sollte eine der beiden Straftaten versucht werden, so kann die Haftstrafe im Sinne des § 24 Abs. 2 iVm. § 49 Abs. 1 StGB geringer sein. Bei der fahrlässigen Tötung nach § 222 StGB droht eine Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder eine Geldstrafe

 

Pflichtverteidigung 

Bei einem Tatvorwurf nach §§ 211, 212 StGB ist § 140 StPO grundsätzlich einschlägig. Das bedeutet, dass bei dem Tatvorwurf eines Tötungsdelikt ein Fall der notwendigen Verteidigung vorliegt. Dies hat zur Folge, dass Sie vom Staat einen Pflichtverteidiger zugeordnet bekommen oder diesen selbstständig auswählen und kontaktieren. (MEHR) 

 

Wie Sie vorgehen sollten

Sobald Ihnen ein Tötungsdelikt vorgeworfen wird, sollten Sie von Ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen. Schweigen Sie! Zudem ist die sofortige Einschaltung eines erfahrenen Strafverteidigers unabdingbar. Beim Tatvorwurf eines Tötungsdelikts steht das ganze Leben des Beschuldigten auf dem Spiel. Wenn es zu einer Verurteilung kommt, so ist die Freiheitsstrafe mindestens langjährig, meist lebenslänglich. Durch den sofortigen Kontakt zu einem versierten Rechtsanwalt laufen Sie nicht Gefahr spätere Verteidigungsstrategien zunichte zu machen. Kontaktieren Sie daher frühzeitig, bereits im Ermittlungsverfahren, einen Strafverteidiger. Vor allem bei solch schweren Vorwürfen folgt zeitnah ein Haftbefehl. Ein Strafverteidiger wird mit Ihnen gemeinsam das weitere Vorgehen, sowie eine eine Strategie zur Verteidigung besprechen.