Raub – § 249 StGB

In den letzten Jahren hat sich immer mehr herausgestellt, dass die Aufklärungsquote beim Raub viel geringer ist, als bei anderen Gewaltdelikten. Der Raub und vor allem auch seine strafrechtlichen Konsequenzen sollten allerdings nicht unterschätzt werden. Gerade die immer häufiger auftretende „Handy abzocke“ zwischen Jugendlichen kann verheerende Folgen haben. 

 

Strafvorwurf

Wann ist der Raub einschlägig?

Grundsätzlich begeht einen Raub im Sinne des § 249 StGB, wer dem Opfer eine Sache unter Einsatz eines Raubmittels wegnimmt. Der Tatbestand des Raubes ist somit ein zusammengesetztes Delikt aus einer qualifizierten Nötigung und einem Diebstahl. Eine qualifizierte Nötigung ist zum einen Gewalt. Gewalt meint hierbei die Anwendung von körperlich wirkenden Zwang, welcher sich sowohl unmittelbar als auch mittelbar auf den Körper des Opfers auswirken kann. Zum anderen liegt eine qualifizierte Nötigung vor, wenn der Täter das Opfer mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib oder Leben bedroht. Eine Drohung im Sinne des § 249 StGB liegt regelmäßig dann vor, wenn ein Übel in Aussicht gestellt wird, auf dessen Eintritt der Täter Einfluss zu haben vorgibt. Entscheidend ist hierbei, ob das Opfer die Drohung ernst nimmt und sich durch die Bedrohung beeinträchtigt fühlt. Weniger von Relevanz ist hingegen, ob der Täter tatsächlich Einfluss auf das angedrohte Übel hat oder dessen ausschließlich vorgibt. 

Zudem muss neben einer qualifizierten Nötigung eine fremde bewegliche Sache weggenommen werden. Generell zählen darunter Gegenstände die sich tatsächlich fortbewegen lassen und welche sich nicht im Alleineigentum des Täters befinden. Eine Wegnahme erfolgt durch den Bruch fremden Gewahrsam und die Begründung neuen, nicht notwendig tätereigenen Gewahrsam. 

Weiterhin muss der Täter vorsätzlich und mit Zueignungsabsicht handeln. Genauer mit der Absicht sich die Sache zumindest vorübergehend anzueignen und den Eigentümer dauerhaft zu enteignen. 

Schwerer Raub 

Neben dem Grunddelikt nach § 249 StGB kann der Täter zudem einen schweren Raub nach § 250 StGB verwirklichen, sobald bestimmte strafschärfende Merkmale erfüllt wurden sind.

Qualifizierende Vorraussetzungen im Sinne des § 250 Abs. 1 StGB sind: 

  • die Mitnahme einer Waffe oder eines gefährlichen Werkzeugs, von dem Täter oder einem Tatbeteiligten 
  • die Mitnahme eines Werkzeugs oder anderen Mittels um den Widerstand einer anderen Person mit Drohung zu verhindern oder gewaltsam zu überwinden 
  • die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung für einen anderen 
  • die gemeinsame Begehung als Mitglied einer Bande 

Weitere qualifizierende Vorraussetzungen gemäß § 250 Abs. 2 StGB sind: 

  • die Verwendung einer Waffe oder eines gefährlichen Werkzeugs 
  • die Mitnahme einer Waffe bei bandenmäßiger Begehung 
  • eine schwere körperliche Misshandlung einer anderen Person, sowie die Gefahr des Todes 

Raub mit Todesfolge 

Grundsätzlich ist der Raub mit Todesfolge nach § 251 StGB ein erfolgsqualifiziertes Delikt. Um sich demzufolge nach § 251 StGB strafbar zu machen muss das Grunddelikt, also der Raub verwirklicht und durch den Raub der Tod verursacht wurden sein. Zu beachten ist, dass für eine Strafbarkeit eine leichtfertige Begehung ausreicht. Leichtfertig handelt der Täter, wenn er sich in besonders hohen Maße über die gebotene Sicherheit hinwegsetzt. 

Versuch 

Der versuchte Raub ist gemäß §§ 249, 23 StGB strafbar. Der versuchte schwere Raub nach § 250 StGB ist ebenfalls strafbar. Zu beachten ist, dass der Versuch der Qualifikation immer erst strafbar ist, sobald zur Verwirklichung des Grunddelikts im Sinne von § 22 StGB angesetzt wurde. 

 

Strafrechtliche Folgen 

Die strafrechtlichen Folgen bei einer Verwirklichung der §§ 249 ff. StGB sind nicht zu unterschätzen, da es sich um Verbrechen handelt. Bei einem verwirklichten Raub droht eine Freiheitsstrafe nicht unter 1 Jahr. Sollte ein strafschärfendes Merkmal hinzukommen und ist folglich der schwere Raub nach § 250 StGB einschlägig, droht eine Freiheitsstrafe nach Absatz 1 nicht unter 3 Jahren, beziehungsweise nach Absatz 2 nicht unter 5 Jahren. Das höchste Strafmaß normiert § 251 StGB. Wird durch den Raub der Tod eines anderen verursacht droht eine lebenslange Freiheitsstrafe

 

Abgrenzung zur räuberischen Erpressung – § 255 StGB 

Grundsätzlich ist der Raub von der räuberischen Erpressung abzugrenzen. Es ist nicht immer einfach zu unterscheiden, ob der Täter das Opfer durch sein Handeln zwingt die Wegnahme zu dulden oder ob der Täter das Opfer nötigt selber vermögensmindernde Handlungen durchzuführen und sich die Sache geben lässt. Die ständige Rechtsprechung stellt bei der Abgrenzung auf das äußere Erscheinungsbild ab. Handelt es sich um eine Weggabe des Opfers, ist die räuberische Erpressung gemäß § 255 StGB einschlägig. Nimmt sich der Täter die Sache handelt es sich um einen Raub im Sinne des § 249 StGB. Letztlich wird der Täter, welcher eine räuberische Erpressung begeht, gleich einem Räuber bestraft. 

 

Pflichtverteidigung 

Da es sich beim Raub, schweren Raub und Raub mit Todesfolge um Verbrechen handelt, ist § 140 StPO einschlägig. Daraus folgt, dass der Täter grundsätzlich einen Anspruch auf einen Pflichtverteidiger hat. (MEHR)

 

Wie Sie vorgehen sollten

Sobald Ihnen ein Raub oder ähnliches vorgeworfen wird, sollten Sie von Ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen. Schweigen Sie! Da bereits der Grundtatbestand des Raubes ein hohes Strafmaß hat, sollten Sie dringlichst einen erfahrenen Strafverteidiger kontaktieren. Dieser wird Akteneinsicht beantragen und eine Strategie mit Ihnen entwicklen, um die Strafe weitestgehend abzumildern oder sogar eine Verfahrenseinstellung zu erreichen. Wenden Sie sich an einen versierten Rechtsanwalt, der Ihnen die Möglichkeiten aufzeigt und Sie bestmöglich verteidigt, vor und im Gerichtsverfahren.